Norm ist F!ktion #2 – Keine Angst ohne Mut

von NAF

Tag 5, Fr 12.4.2019

21:00 – 22:00 Uhr


Theater Rampe

Performance, Musik

Performance, Musik und Text: NAF – Nana Hülsewig, Fender Schrade
Kostüme und Bühne: Mona Kuschel
Dramaturgische Begleitung: Melanie Mohren, Bernhard Herbordt
Lichtdesign: Hanno Schupp
Viewpoint Training: Stela M. Katic
Künstlerische Mitarbeit: Rahel Häseler
Produktionsassistenz: Ramona Wegenast

Foto NAF

Sie sprechen Kunstsprache, durchaus gewählt, aber mit deutlich süddeutsch gefärbtem Akzent. Sie verkünden, dass sie sich in den „Genderruhestand“ verabschiedet haben, dennoch kreist die Performance Norm ist Fiktion#2: Keine Angst ohne Mut von NAF um die Frage, was ist ein Mann, was ist eine Frau. Fender Schrade, am ellenlangen Keyboard musizierend, gibt sich so konsequent spröde und kühl wie sich Nana Hülsewig konsequent über Geschlechterklischees im Leben und in der Kunst empört. Das in Stuttgart ansässige Performanceduo zelebriert den Widerspruch, befragt Gewissheiten, bewegt sich inhaltlich wie formal im feinen Dazwischen und erfindet wie nebenbei ein neues nüchtern-queeres Genre, das seine Bezeichnung noch finden muss. Wir sehen charismatische Ironiker*innen, die auch das Tun des*der Anderen mit Blicken, Gesten, Tönen kommentieren. Manchmal fassungslos, nie larmoyant sprechen sie über Vorurteile und scheinbare Gewissheiten, den eigenen Körper unerschrocken als Requisite benützend, auf jeglichen exhibitionistischen Effekt verzichtend. So stilvoll, schräg und hintersinnig sind gespielte Gedanken über Norm und Fiktion lange nicht auf die Bühne gekommen. – Jury


In NORM IST F!KTION #2 nehmen NAF die Betrachter*innen mit in einen Irrgarten aus Normen, gewähren Einblicke in ihre Biografien, Persönlichkeiten und Entscheidungen. Sie arbeiten mit ihren nicht normierten Körpern – sie sind wie sie sind: anders, schön, wild, sexy und komisch – stets auf der Suche nach der eigenen Identität. In einem Dschungel aus Zitaten verwickeln sie sich in Dialoge, sie spielen auf einem schier endlos langen Keyboard, singen, provozieren sich, verzweifeln, gewinnen ihre Fasson zurück, machen sich nackig und zwängen sich in Rollen, die im Widerspruch zu ihrem Menschsein stehen.

Humorvoll wie melancholisch, fragil wie pompös treffen Musik, Körper und Zitate aufeinander und beleuchten die Brutalität, mit welcher Anpassung an Normen oft einhergeht, um schließlich Mut zu machen für eine Utopie: die Möglichkeit, sich von Normen zu befreien.

NORM IST F!KTION ist ein mehrteiliges, transmediales Konzept. Die Teile bauen aufeinander auf, durchqueren in mehreren Schritten den öffentlichen Raum und kondensieren nun zu einer Musiktheaterperformance: NAF begeben sich auf eine künstlerische Spurensuche, die Regeln, Prinzipien und Schablonen in unserem Alltag durchleuchtet.

Norm ist F!ktion #2 hatte im März 2017 am Theater Rampe Premiere.

www.naf.space


Die Arbeiten von NAF entstehen im Kontext der Zuwanderungsdebatten, des wachsenden Populismus und vermehrter Übergriffe auf Trans*personen, Frauen, Migrant*innen und Homosexuelle. NAF begannen ihre Zusammenarbeit 2013 während eines dreijährigen Atelierstipendiums im Künstlerhaus Stuttgart. Die Abkürzung NAF darf dabei auf unterschiedliche Weise ausbuchstabiert werden, beispielsweise: Nana And Fender, Nichts Als Formalitäten, Natürlich Auch Freiheit… 2015 wurden sie für die Theater-Performance NANA NOT ALONE mit dem Tanz- und Theaterpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2015 erhielten sie mit ihrer Projektreihe NORM IST F!KTION die dreijährige Konzeptionsförderung des Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg. 2018 setzen sie ihre Arbeit mit einer weiteren drei jährigen Konzeptionsförderung der Stadt Stuttgart fort. Seit 2016 unterrichten sie an verschiedenen Staatlichen Hochschulen und Akademien. Sie verwirklichen in Kooperation mit Gastkünstler*innen, der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig und dem Theater Rampe Stuttgart ihre Projekte.


Ein Projekt von NAF in Kooperation mit Theater Rampe und Atelier CoutureReal Berlin

Gefördert durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und die LBBW Stiftung

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